Rav Uri Scherki
Zum Gebet -
Wir danken dir
Übersetzung: Rafael Plaut
Im Segensspruch (Bracha) des Dankes, der
zweite von dreien am Ende des Schmone-Esre Gebetes, geht es um die
Anerkennung der Tatsache, daß wir G~tt trotz unserer zahlreichen Bitten,
unsere diversen Mängel zu beheben - womit wir indirekt die
Mangelhaftigkeit G~ttes Welt beklagen - ihm trotzdem für das Bestehende
Dank zollen müssen, nämlich für das Leben an sich, das wir von
G~tt erhielten.
Die Reihenfolge der Danksagung beginnt mit
"denn du bist der Ewige, unser G~tt" von seiten der Herrschaft an
sich, noch bevor wir vom praktischen Nutzen reden, der sich aus dieser
Herrschaft ergibt. Ähnliches finden wir im Buche Jehoschua (24. Kapitel),
als Jehoschua gegen Ende seines Lebens dem Volk ein "Geschäft"
anbot: Entweder akzeptieren sie, G~tt zu dienen, oder sie dienen den
Göttern von jenseits des Stromes oder Ägyptens, und nur Jehoschua und
seine Familie werden G~tt dienen. Das Volk gab zur Antwort, es werde natürlich
G~tt dienen, denn er hat uns ja aus Ägypten herausgeführt und uns
dieses Land gegeben; d.h. aus Dankbarkeit also. Darauf antwortete Jehoschua:
"Ihr werdet nicht vermögen, dem Ewigen zu dienen; denn ein heiliger
G~tt ist er, ein eifervoller G~tt ist er, er wird nicht Nachsicht haben gegen
euren Frevel und gegen eure Sünden" (24,19). Damit wollte er
ausdrücken, wenn der Dienst an G~tt im Nutzen seinen Ursprung hat,
so wird dieser doch durch den vorhersehbaren Schaden aufgewogen, der
diejenigen erwartet, die seinen Willen übertreten, so daß es nicht
angemessen scheint, G~tt nur unter dem Aspekt des Nutzens zu dienen. Darauf
antwortete das Volk: "Nein! Wir wollen doch dem Ewigen dienen"
(24,21) - d.h. allein wegen der Tatsache, daß er unser G~tt ist. Erst dann
schloß Jehoschua den Bund mit dem Volk in Schchem.
Nach der Klärung des Wesentlichen kommen wir
auf die Wohltaten G~ttes uns gegenüber zurück: "Zur",
Fels unseres Lebens [von lizor, schaffen], die Schöpfung an sich,
wobei wir anerkennen, daß sein Licht der Fels ist, aus dem unsere Seelen
gehauen sind. "Fels unseres Lebens" - die zusätzliche
Lebendigkeit zum Leben an sich. "Schild unseres Heils" im Sinne von
Aufrechterhaltung aller Existenz, die sich ohne die Gnade seiner ununterbrochenen
Stützung sofort in Nichts auflösen würde. "..bist du von
Generation zu Generation" - das Erscheinen der Göttlichkeit im
Verlaufe der Geschichte, wie im Buche "Kusari" besonders
hervorgehoben.
Die Schilderung G~ttes Wohltaten an sich bedeutet
allerdings ein gewisses theologisches Problem: Kann man denn so ohne weiteres
G~ttes Taten schildern, ohne seiner Größe Abbruch zu tun? "Ein
Gleichnis: Als wenn man einen König von Fleisch und Blut, der tausende
Myriaden Golddenare besitzt, wegen silberner preisen würde. Wäre dies
nicht für ihn eine Herabsetzung?!" (Brachot 33b). Darauf antwortete
der MaHaRaL ("hohe Rabbi Löw" aus Prag): Die Sache ist erlaubt,
wenn die Absicht des Lobenden darin besteht, seiner moralischen Pflicht des
Bedankens Genüge zu tun, aber keine philosophischen Definitionen des
Vermögens G~ttes festlegen will. Das ist die Bedeutung des Begriffes
"Wir wollen dir danken", und darum "deinen Ruhm
erzählen".
"Für unser Leben, das in deine Hand
gegeben", das seelische Leben. "..und unsere Seelen, die dir
anvertraut", Seelen = Neschamot, hier im Sinne von Neschimot,
Atemzüge - das körperliche Leben. "..und deine Wunder, die uns
täglich zuteil werden, und deine Wundertaten und Wohltaten zu jeder Zeit,
abends, morgens und mittags" - die Ereignisse des täglichen Lebens.
"Es wollte der Heilige, gelobt sei er, die
Welt schaffen" aus Gnade, "mit der Eigenschaft des Rechtes (Midat
HaDin) - und als er sah, daß die Welt so nicht bestehen kann,
beteiligte er dabei die Eigenschaft des Erbarmens; und die Welt
bestand" - das ist das Gute (nach Midrasch raba). Und darum:
"Allgütiger, dein Erbarmen ist nie zu Ende, Allbarmherziger, deine
Gnade hört nie auf, von je hoffen wir auf dich" - seit du die Welt
schaffen wolltest.
"Allgütiger ist dein Name", wenn du
gütig zu uns bist, "und dir ist schön zu danken", auch wenn
du uns strafst, denn man muß sich auch für das Unheil bedanken, um
nicht den Glauben an die Einzigkeit G~ttes zu mindern. Dieser Aspekt ist nur
angedeutet - um dem himmlischen Ankläger keinen Aufhänger zu liefern.
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